Single Mom

Single Mom by Choice?

Die Zahl der Frauen, die sich bewusst dafür entscheiden ein Kind alleine zu haben – Single Mom by Choice – nimmt auch in der Schweiz stetig zu.

Die Gesetzeslage grenzt allerdings stark ein. Hier haben nur verheiratete, gemischtgeschlechtliche Paare ein Recht auf eine Samenspende, wenn eine Unfruchtbarkeit des Mannes diagnostiziert wird. Aber es gibt offenbar Bewegung auf der rechtlichen Ebene.
Die gesellschaftlichen Entwicklungen werden die rechtliche Situation wohl in nicht allzu ferner Zukunft verändern. Ende Februar 2020 hat die Nationale Ethikkommission (NEK) eine neue Empfehlung abgegeben und schlägt vor, den Zugang zur Samenspende auch für gleichgeschlechtliche Paare und alleinstehende Frauen zu gewähren.

Wer nicht bis dahin warten möchte, hat andere Möglichkeiten. In vielen anderen Ländern ist die Samenspende auch für Singles und lesbische Paare erlaubt. Eine kurze Umschau:

Deutschland
Momentan ist es ausschliesslich in Berlin und Bayern rechtlich möglich, alleinstehende Frauen in einer Fertilitätsklinik behandeln zu lassen. Allerdings sind nicht alle Kliniken auch unterstützungswillig.

Frankreich
Der französiche Senat befürwortet im Januar 2020 eine Gesetzesvorlage der Regierung, nach der alle Frauen eine In-Vitro-Befruchtung in Anspruch nehmen können. Damit löst Emmanuel Macron auch eines seiner Wahlversprechen ein.

Italien
In Italien gilt das umstrittene Fortpflanzungsmedizin Gesetz aus dem Jahr 2004. Es verbietet die künstliche Befruchtung für Singles und homosexuelle Paare.

Österreich
Das aktuelle österreichische Fortpflanzungsmedizingesetz gilt seit 2015. Eine alleinstehende Frau darf keine medizinisch unterstützte Fortpflanzung in Anspruch nehmen. Es ist nur in einer Partnerschaft oder Lebensgemeinschaft zulässig – allerdings auch in Gleichgeschlechtlichen.

Dänemark
In Dänemark ist die Behandlung für Singles und gleichgeschlechtlich orientierte Frauen und Single Frauen erlaubt. Neben der Samenspende ist in Dänemark ebenso die Eizellenspende möglich.

Schweden
Die Samenspende und Eizellenspende bei der Behandlung von Single Frauen ist in Schweden seit 2016 erlaubt.

Spanien
In Spanien gilt bereits 2006 eine sehr liberale gesetzliche Regelung. Die Behandlungen zur Erfüllung des Kinderwunsches ist für alle Frauen, unabhängig von ihrer sexuellen Ausrichtung oder dem Familienstand erlaubt. Es besteht auch keine gesetzliche Altersbegrenzung.

Niederlande
Obwohl es gesetzlich erlaubt ist, gibt es auch in den Niederlanden einige Kliniken, die sich weigern Single Frauen zu behandeln.

Social Freezing
Die modernen Lebensplanungen bringen neue Konzepte hervor. Wie in vielen Ländern, steigt auch in der Schweiz das Durchschnittsalter der Mütter bei der Geburt des ersten Kindes kontinuierlich an. Die biologische Uhr ist aber unverändert und die Fertilität der Eizellen nimmt meist nach 35 Jahren stark ab. Wie generell bei der IVF (In-vitro-Fertilisation) hat damit auch das vorsorgliche Einfrieren von Eizellen – das Social Freezing – gesellschaftlicher Akzeptanz gewonnen. Für viele Frauen stellt das Social Freezing ganz einfach eine Art Eigen-Eizellspende für später dar.

Angebote und Richtpreise
Die Kosten für die Abklärung der Unfruchtbarkeit werden in der Schweiz im Normalfall von der Krankenkasse übernommen. Auch die Kosten für die hormonelle Stimulation bei der Ovulations Induktion (OI) und für die Intra-Uterine Insemination (IUI) werden mit gewissen Einschränkungen von der Krankenkasse übernommen. Die hormonelle Stimulation bei OI wird für die Dauer von einem Jahr übernommen (6-12 Zyklen). Bei der IUI werden drei Zyklen bzw. Inseminationen bezahlt. Trotzdem sollte vor jeder Therapie eine Kostengutsprache durch den behandelnden Arzt bei der jeweiligen Krankenkasse eingeholt werden.

Aber: Die Kosten für eine IVF- oder ICSI-Therapie sowie für einen Kryozyklus und die Kryokonservierung werden in der Schweiz von der Krankenkasse nicht übernommen. In einigen Kantonen kann der Aufwand jedoch steuerlich geltend gemacht werden.

Die Kosten für eine IVF-Behandlung können stark variieren. Sie bewegen sich je nach Klinik und individuell benötigtem Aufwand zwischen 4‘000 bis 9‘000 CHF pro Zyklus. Eine ICSI-Behandlung muss zusätzlich vergütet werden. Insgesamt können dann die Kosten pro Behandlungszyklus zwischen 6‘000 und 10‘000 CHF liegen.

Die Kosten für einen Kryozyklus – also das Verwenden vorhandener, tiefgefrorener Eizellen und Embryonen – betragen etwa 1‘000 bis 2‘300 CHF pro Zyklus. Hier entfällt die aufwändige Stimulation, weshalb dies günstiger ist. Die Kosten für die Kryokonservierung, d.h. das Aufbewahren der Eizellen, liegen zwischen 200 und 1‘000 CHF pro Jahr. Der Anteil der Medikamentenkosten – in den obigen Angaben mit dabei – liegt in etwa bei 500 bis 2‘500 CHF pro Zyklus.

Bei der Samenspende gibt es ebenfalls – je nach Land und Anbieter und Anonymität – grosse Unterschiede. Eine anonyme Spende mit wenig Informationen zum Spender kann im Ausland bereits ab 80-100 CHF erworben werden. Mit erweitertem Spenderprofil (Informationen wie Fotos und Sprachaufnahmen) um 900 CHF. Der Sperma-Import in die Schweiz ist allerdings verboten.

Wichtige Qualitätskriterien für die Auswahl der passenden Klinik

  • Erfahrung der jeweiligen Spezialisten,
  • die verständliche und vollständige Vermittlung von Informationen,
  • die Klarheit und Transparenz des Vorgehens bei allen Untersuchungen und Behandlungen
  • und eine gute rundum Betreuung.

Ausschlaggebend bei der Entscheidung für eine Praxis oder Klinik sollten nicht nur deren Erfolgszahlen bei einzelnen Reproduktionsverfahren sein. Erfolgszahlen sind stets Durchschnittswerte, die nicht für jeden Einzelfall gelten. Nicht zuletzt kommt es darauf an, sich in der Praxis wohl zu fühlen und Vertrauen entwickeln zu können.

Wie wichtig es ist, sich bei der Auswahl des Kinderwunschzentrums rundum gut betreut zu fühlen, können viele Kinderwünschende bestätigen. Aus diesem Grund ist es empfehlenswert, sich persönlich ein Urteil über die ausgewählte Klinik zu machen und vor Ort die Ärzte- und das Mitarbeiterteam kennenzulernen. Sympathie und die zwischenmenschliche Chemie spielt eine entscheidende Rolle und wirkt sich positiv auf den Fertilitätsprozess aus. Dennoch müssen neben dem „Gemütlichkeitsfaktor“ schlussendlich sowohl Professionalität und modernste technische Standards in den Auswahlprozess einbezogen werden. Wichtig ist, möglichst viele Fragen zu stellen und zu schauen, was das Gefühl sagt. Denn jede Klinik hat andere Vorzüge und unterschiedliche Arbeitsweisen, die sich stark voneinander unterscheiden können.

Und wie kann man die Angebote der Kliniken überhaupt vergleichen?

Stellen Sie jeder Kinderwunschklinik die gleichen wichtigen Fragen. Und stellen Sie die Fragen in der gleichen Reihenfolge. Am besten machen Sie eine Liste und senden sie an die Kliniken. Damit sind deren Antworten verbindlich.

Hier eine kleine Auswahl von relevanten Fragen:

  • Was ist die IVF Erfolgsquote der Klinik? Was heißt das? Wie wird es gemessen?
  • Welches sind die behandelnden Spezialisten und was ist deren beruflicher Lebenslauf und Erfolgsnachweis?
  • Welche Methoden setzen Sie ein?
  • Ist das technische Equipment auf dem neusten Stand?
  • Wie sind Sie bezüglich der internationalen Patientenbetreuung organisiert?
  • Wie viele Spendereizellen bekomme ich bei einer IVF Behandlung mit Spendereizellen?
  • Garantiert die Klinik eine Minimumanzahl der empfangenen Eizellen?
  • Garantiert die Klinik eine gewisse Embryonenanzahl?
  • Was passiert, wenn Sie nicht die garantierte Embryonenanzahl erhalten? Gibt es eine Geld-zurück-Garantie oder günstige Wiederholungen?
  • Welche Vorzugspackages gibt es generell für Wunscheltern aus der Schweiz?

Selbstverständlich kann oder soll diese Liste noch mit weiteren, persönlichen Fragen ergänzt werden.